Warum der Mac keinen Touchscreen benötigt

Microsoft hat es mit Windows 8 vorgemacht: Touchscreen-Bedienung für den Desktop und Geräte, die Desktop und Tablet in einem sind (sein wollen?). Bei heise Mac & i wird zur Zeit diskutiert, ob Apple neben iOS nicht auch OS X, also dem Mac, einen Touchscreen spendieren sollte. Wieso ich der Ansicht bin, dass Touchscreens nicht zwingend in die Welt des Macs gehören, möchte ich hier darlegen.

Launchpad von OS X

Launchpad von OS X  – Erste Anzeichen für ein Touchdisplay?

Windows 8 mag Eingaben via Touch samt angepasster Oberfläche auf den heimischen Desktop gebracht haben, ist aber auch ein abschreckendes Beispiel zugleich. Neben der Modern UI existiert weiterhin eine klassische Windows-Oberfläche, zwischen der an manchen Stellen hin und her gewechselt werden muss. Das fängt beispielsweise bei den oft erwähnten Systemeinstellungen an und endet bei Programmen, von denen die einen in der klassischen Ansicht und andere hingegen in der Modern UI laufen. Dies dient nicht gerade der Benutzerfreundlichkeit, von einem einheitlichen System ganz zu schweigen.

Das Windows 8 (inkl. Windows 8.1) schlecht angenommen wird, zeigt der Vergleich mit Windows 7. Während die Windows 8 Plattform im Februar 2014 auf keine 12% Marktanteil kam, lief Windows 7 im gleichen  Zeitraum nach der Einführung im Oktober 2009, bereits auf fast 30% der PCs. Von den 12% der PCs mit Windows 8 unterstützen natürlich auch nicht alle Touch-Eingaben auf dem Display, überwiegend bei Neuanschaffungen kann die Touch-Eingabe direkt genutzt werden. Dass das Interesse an Apps für die Modern UI, welche mehr oder weniger stellvertretend für die Bedienung via Touchscreen steht, jedoch relativ gering ist, zeigte kürzlich wieder die Bekanntgabe Mozillas, die Entwicklung von Firefox für die Modern UI wegen zu wenig Interesse einzustellen.

On any given day we have, for instance, millions of people testing pre-release versions of Firefox desktop, but we’ve never seen more than 1000 active daily users in the Metro environment.
Johnathan Nightingale, VP Firefox

Wieso sollte Apple also OS X mit Touch-Funktion herausbringen, wenn doch offensichtlich nur eine geringe Nachfrage danach herrscht? Natürlich ist die Bedienung mit dem Finger auf dem Display erst einmal intuitiver und direkter, als mit Maus/Trackpad und Tastatur, wie Jeremias Radke von Mac & i richtig schreibt. Allerdings lassen sich mit Touch-Devices schon in Schulen Aufgaben (noch) nicht so einfach umsetzen, wie ein Spiegel Online Bericht aus einer dänischen Schule zeigt. Wie Eingaben auf einem Touchscreen dann bei deutlich komplexeren Aufgaben wie Videoschnitt, Programmierung, Bildbearbeitung oder einer umfangreichen Textverarbeitung einen wirklichen Mehrwert bieten sollen, bleibt mir noch verborgen, da die Präzision fehlt.

Die Contra-Position bei Mac & i, vertreten von Tomas Rudl, führt richtig an, dass Apple zwar OS X und eigenen Apps für Touch optimieren könnte, Apps von Drittherstellern aber wahrscheinlich noch nicht auch alle zeitgleich umgestellt wären, wenn dies überhaupt möglich ist. OS X hätte somit das selbe Problem hätte wie Windows 8: Zwei unterschiedliche Benutzeroberflächen, die sich jeweils nur auf verschiedene Arten komfortabel bedienen lassen.

iPad

iPad

Das iPad ist Apples neuer Heimcomputer, das steht außer Frage. Für viele alltägliche Dinge wie im Netz surfen, Mails schreiben, Musik/Filme/Apps kaufen oder leihen, aber auch kleinere Schreibarbeiten, reicht ein Tablet für die meisten Menschen heute schon vollkommen aus oder ist besser geeignet. Apple ist gut daran beraten, iOS und das iPad weiter mit Funktionen auszustatten, die einen produktiven Einsatz ermöglichen, anstatt einen Mac mit Touchscreen herauszubringen. Denn der Desktop-PC wird immer mehr zu einem Nischenprodukt, für einen begrenzten Anwender*innenkreis. Dass die Windows-Plattform nun erstmals seit den 1990er Jahren unter die 90% Marke rutschte, verdeutlicht den Trend. Dass der Anteil des Macs wiederum leicht steigen konnte, sagt erst einmal wenig aus. Dieser liegt noch immer unter 10%, auch wenn Apple im ersten Quartal 2014 etwas mehr Macs absetzen konnte als im Vorangegangenen, dürfte dieser aber wohl eher zulegen, weil Windows-User auf andere Plattformen wie iOS oder Android wechseln und der PC Markt insgesamt schrumpft. Zudem ist OS X selbst immer noch eine Nische und wird es wohl auch immer bleiben, daran würde auch ein Touchscreen nichts ändern. Der kleine Kreis an Usern, die einen Nutzen von so einer Eingabemöglichkeit an einem Desktop-PC hätten, nutzen diese bereits – auch an einem Mac, wie folgendes Video zeigt- wenn auch ohne Multitouch.

 

 

 


2 Kommentare zu “Warum der Mac keinen Touchscreen benötigt”
  1. Alexander 29. Juli 2014
    • Daniel 29. Juli 2014

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