Nintendo: Ein Pokémon-Kartenspiel für das iPad gegen die drohende Irrelevanz?

Seit längerer Zeit wird alle paar Monate neu über die zukünftige Ausrichtung von Nintendo spekuliert und diverse Gerüchte ziehen ihre Kreise. Im Besonderen dreht sich die Diskussion darum, ob Nintendo nicht auch Smartphone-Spiele produzieren sollte, um die zuletzt verzeichneten Verluste zu kompensieren. Mit seinen Konsolen und insbesondere der Wii U, konnte Nintendo in den letzten Monaten immer weniger Gamer*innen von sich überzeugen. Mario, Pokémon und Co. für iOS und Android wird da oft als eine Lösung angepriesen, die sich nun auch erstmals in einem iPad-Spiel zeigt. Doch reicht ein Pokémon-Kartenspiel, um Nintendo auf die Erfolgsbahn zurückzuführen?

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Ausgelöst wurden die jüngsten Mutmaßungen über Smartphone-Spiele von Nintendo dadurch, dass Teile von Nintendos Management angeblich fordern würden, dass der aktuelle Präsident Satoru Iwata sich aus dem Unternehmen zurückziehen solle, um der Entwicklung von Apps nicht weiter im Wege stehen zu können. Anleger*innen stellen diese Forderung schon seit längerem, da Nintendos Konsolen- und Spiele-Verkäufe in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen sind und die Konkurrenz der Smartphone-Apps als eine der Hauptursachen angesehen wird. Vergangenes Wochenende machte dann ein Screenshot vom Pokémon Trading Card Game für das iPad die Runde, der diese Gerüchte zu bestätigen scheint.


Der Gedanke ist verlockend: Mario, Samus Aran, Yoshi, Link und Donkey Kong im App Store! Dass die User*innen sich Spiele ala Zelda und Pokémon wünschen, zeigen Apps wie Oceanhorn oder Zenforms, die mehr oder weniger an die Originale angelehnt sind und sich oft mit ihnen vergleichen lassen müssen. Dabei ziehen sie allerdings, egal wie gut sie gemacht sein mögen, meist den Kürzeren. Nintendo hat für viele Menschen Maßstäbe in Sachen Mobile-Gaming gesetzt, die nur selten erreicht werden. Von daher sollte der Smartphone/Tablet-Markt ein hohes Potential für Nintendo besitzen.

Nintendo steht aktuell vor der Aufgabe nicht ein zweites Sega zu werden, das sich mit seinem Dreamcast in einer ähnlichen Situation wie Nintendo heute befand. Die Verkäufe der Konsole liefen nicht richtig an, der Aktienkurs sank. Schlussendlich wurde die Produktion des Dreamcast 2001 eingestellt und Sega verabschiedete sich damit aus dem Konsolen-Geschäft und konzentriert sich seitdem auf die Entwicklung von Spielen, darunter auch zahlreiche für Smartphones. Ganz so drastisch sieht es bei Nintendo wohl noch nicht aus, allerdings könnte der Einstieg in die Welt der Apps auch gleichbedeutend mit dem Ende der eigenen Konsolen sein. Die Frage ist, wie Nintendo an die Sache herangeht.

Der Screenshot des Pokémon Kartenspiels für das iPad scheint leider eine Richtung anzudeuten, die viele Hoffnungen und Erwartungen enttäuschen wird. Anstatt den Nintendo-Held*innen ein Spiel in ihrem klassischen Metier zu gönnen, wird wohl eine Merchandise-App in den Store gestellt werden. Trotz möglicher Erlöse, fungiert diese doch mehr oder weniger als Werbeträger für Umsetzungen auf den eigenen Konsolen und die Marke Pokémon selbst. Andererseits kann die App auch als eine Art Test-Ballon angesehen werden, von dem Nintendo wohl seine zukünftigen Vorhaben abhängig machen wird. Ein Kartenspiel, welches zwar bekannte Nintendo-Figuren beinhaltet, diese aber nicht in einem klassischen Spiel zeigt, scheint ein geringes Risiko für die eigenen Plattformen zu sein. Denn wenn Nintendo Spiele im App Store anbieten würde, die qualitativ und von der Spielmechanik her auf dem Niveau eines Nintendo DS oder Wii U Spiels anzusiedeln wären, ist anzunehmen, dass diese preislich zwar deutlich über dem im App Store herrschenden Durchschnitt liegen würden, aber wohl nicht in der Preisklasse eines Konsolenspiels. Der Reiz, sich neben dem Smartphone/Tablet eine weitere Konsole mit teureren Spielen anzuschaffen, würde damit wohl erheblich sinken und der App-Markt somit das eigentliche Kerngeschäft (zer)stören.

Für Indie-Entwickler*innen dürfte der mögliche Einstieg von Nintendo als weitere bedrohliche Konkurrenz im iOS-App Store wirken. Dort tobt ohnehin ein erbitterter Preiskampf, kostenlose Apps mit In-App-Käufen sind weiter im Aufschwung und verbuchen heute rund 80% der Downloads in Apples App Store für sich, das drückt natürlich auf die Preise allgemein. Das Pokémon Trading Card Game, welches es bereits für den Desktop gibt, setzt ebenfalls auf dieses Erlösmodell. Dies steht zwar Aussagen von Anfang des Jahres entgegen, in denen „Mini-Spielen“ auf konkurrierender Hardware noch eine Abfuhr erteilt wurde. Dass Nintendo sich die Rechte an Pokémon mit The Pokémon Company teilt, wird hierfür ausschlaggebend sein. Für kleine Entwickler*innen verschafft diese Ausrichtung zumindest etwas Luft. Denn selbst wenn ein Spiel wie ein klassisches Zelda-Adventure im App Store doppelt so viel kosten würde wie bspw. Oceanhorn, dürfte die Wahl der Käufer*innen wohl sehr einseitig ausfallen.

Ich gebe zu, der Titel des Artikels ist hart formuliert, allerdings glaube ich, dass sich eben dieses Bild abzuzeichnen droht, wenn Nintendo sich nicht für weitere Plattformen öffnet. Nintendo muss den Schritt Richtung Smartphone/Tablet wagen. Viele junge Menschen wachsen mit diesen Geräten auf und die meisten von ihnen werden Pokémon und Co. zwar kennen, aber mangels Nintendo-Konsole noch keine Berührung mit einem der Spiele gehabt haben. Nintendo läuft damit Gefahr für diese Generation irrelevant zu werden, so wie es Sega und Sonic schon geworden sind. Ob ein Kartenspiel dabei hilft die eigenen Plattformen zu stärken, bleibt zwar abzuwarten, zu viel würde ich allerdings nicht darauf setzen.

Ich persönlich glaube nicht, dass in Nintendos Zukunft ein Weg um iOS und Android herumführt und ich würde mir ohnehin eher wünschen, dass Nintendo neue Spiele im klassischen Gewand für iPhone und iPad umsetzt, anstatt ihre Figuren halbherzig unter den umsatzstarken Apps quasi zu verramschen und Wii U und Nintendo DS so quer zu subventionieren. Doch wahrscheinlich ist die Zeit dafür noch nicht gekommen. Zwar halte ich es ebenso wie Basic Thinking für unwahrscheinlich, dass es in naher Zukunft die selben Spiele für iOS und Wii U geben wird, doch mehr als Versatzstücke wird Nintendo schon liefern müssen. Platz für eine dritte Konsole neben Playstation und XBOX scheint aktuell es nicht mehr zu geben, ebensowenig wie für einen Handheld neben dem Smartphone oder Tablet. Nintendo ist also gefordert und sollte diese Herausforderung auch annehmen, wenn es nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden will.

Wie seht ihr Nintendos Situation? Sollten sie ihren Held*innen „richtige“ Smartphone/Tablet-Spiele spendieren und sollten diese eigenständig oder mit Nintendos eigenen Konsolen verzahnt sein, um so von den mobilen Plattformen zu profitieren? Wenn ihr eine Meinung habt, hinterlasst doch einen Kommentar.


Ein Kommentar zu “Nintendo: Ein Pokémon-Kartenspiel für das iPad gegen die drohende Irrelevanz?”
  1. Snacky 19. August 2014

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